Pilgern auf dem Jakobsweg von Langenburg nach Geislingen am Kocher Von der Schönheit und Zerstörung in der Natur

Auf dem Jakobsweg von Langenburg nach Geislingen a. K. vom Jagsttal ins Kochertal „Von Schönheit und Zerstörung in der Natur“

Eine der schönsten Wegstrecken des Jakobswegs führt vom Jagsttal über die südlichen Ausläufer der Hohenloher Ebene ins Kochertal. Ingeborg Raab, Kulturbeauftragte des Burgberg-Tauber-Gaus des Schwäbischen Albvereins und qualifizierte Pilgerbegleiterin konnte am Samstag, den 24. September 2022 mit ihren fünf Wegbegleiterinnen 28 Pilger für diese 14 km lange Etappe begeistern. Die Ausschreibung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Forum Westmittelfranken. Der Pilgertag soll an die Schönheiten dieser Landschaft erinnern, aber auch an die Verletzlichkeit und Zerstörung in der Natur. Zu Beginn wurde die Gruppe von Pfarrerin Elke Stephan in der Langenburger Stadtkirche mit Worten, Lied und Segenswünschen auf dieses Thema eingestimmt. Pilgern ist nicht nur ein äußerlicher Weg, also Strecken, Steigungen, Mühsal und Ausblicke, sondern auch ein innerer Weg, eine Begegnung mit sich selbst, mit Enttäuschungen, Traurigkeit, Hoffnungen und Freude mit Glücksgefühlen. Unterwegs bekam die Gruppe von Ingeborg Raab Impulse, immer passend zu den Wegpunkten, zum Thema dieses Pilgertages. Nach dem Abstieg ins Jagsttal nach Bächlingen, dem Aufstieg nach Nesselbach und einer Wegstrecke über die Hohenloher Ebene wurde vor dem Orlacher Bach an das schreckliche Unwetter am 29.05.2016 erinnert. Innerhalb weniger Minuten hat sich die Welt für diese Region und ihre Menschen verändert.  Die Sturzflut brachte Geröllmassen ins Tal und zerstörte Teile von Braunsbach. Von jetzt auf nachher kann die Welt eine andere werden. Schönheit und Zerstörung liegen nah beieinander. Auch in unserem eigenen persönlichen Bereich kann sich das Leben von einer Minute auf die andere verändern. In Braunsbach konnte an den Schautafeln das Ausmaß der Zerstörung betrachtet werden, aber auch die große Hilfe und Kraft dieser Anwohner, die aus der Zerstörung Neues erschaffen konnten. Ein letzter Halt unter dem Pfeiler der markanten Kochertalbrücke erinnerte an die Ingenieursleistung dieses Bauwerks, aber auch an die Todesopfer verzweifelter Menschen, die sich von der Brücke gestürzt haben. Im altehrwürdigen Gasthof „Ochsen“ in Geislingen konnte sich die Gruppe stärken. Als Wort auf den Weg zurück in den Alltag überreichte Ingeborg Raab den Pilgern das Gedicht „Die Kunst der kleinen Schritte“ von Antoine de Saint-Exupéry. Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.“

Nachdenklich, aber auch voller Freude über das Gelingende in unserem Leben, konnte der bestellte Bus die Pilger wieder nach Langenburg zurückbringen.

 

 

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Pilgern

Die Kunst der kleinen Schritte

Antoine de Saint-Exupéry

 

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,

sondern um die Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

 

Mach mich findig und erfinderisch,

um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig

meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren,

von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.

Schenke mir das Fingerspitzengefühl,

um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen,

weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.

Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und

die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben,

es müsste im Leben alles glatt gehen.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

 

Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,

dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge…

eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,

durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen

den Verstand streikt.

Schick mir im rechten Augenblick jemand,

der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.

Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und

zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

 

Verleihe mir die nötige Phantasie,

im rechten Augenblick ein Päckchen Güte

mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen,

der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,

um auch die zu erreichen, die "unten" sind.

Bewahre mich vor der Angst,

ich könnte das Leben versäumen.

Gib mir nicht, was ich mir wünsche,

sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

BächlingenKochertalbrücke